Trügerische Laborwerte. Teil 1: Eisenmangel ?!
- mbuslau
- vor 7 Stunden
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So mancher Laborparameter gehört zum Standardrepertoire im Rahmen der Labordiagostik auch bei systemischer Sklerodermie, obwohl er kaum aussagekräftig ist. Dabei erlaubt die heutige Labordiagnostik bereits präzisere und physiologisch besser begründete Alternativen mit höherer Aussagekraft.
Habe ich einen Eisenmangel als Ursache meiner Müdigkeit und Leistungsschwäche?
Ein ausreichender Eisenspiegel ist für den Körper essenziell. Sauerstoff wird reversibel in den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, an den Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden. Hierzu ist Eisen notwendig. Nicht nur nur eine mangelnde Zufuhr von Eisen mit der Nahrung, sondern auch ein chronischer Blutverlust z.B. durch kleinste, oft zunächst unbemerkte Blutungen im Magen-Darmtrakt , können bei Sklerodermie einen Eisenmangel bedingen. Dieser wiederum kann zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung im Körper führen. Folge können u.a. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsverlust sein.
Leider hilft die Bestimmung des Serum-Eisens zur Einschätzung, ob ein Eisenmangel vorliegt, auch bei systemischer Sklerodermie oft nicht weiter:
Das Serum-Eisen unterliegt starken tageszeitlichen Schwankungen. Der Eisenspiegel im Blut ist aber nur ein Momentaufnahme und liefert deshalb kaum stabile und verwertbare Informationen über den tatsächlichen Eisen-Status im Körper. Besser und aussagekräftiger ist die Bestimmung des Ferritins. Ferritin ist ein sog. Akut-Phase-Protein, das die Eisenspeicher im Körper widerspiegelt.
Beim klassischen Eisenmangel ist das Serumferritin erniedrigt d.h. die Eisenspeicher sind leer und auch der Grad der Beladung der Transportproteine mit Eisen im Körper, die sog. Transferrinsättigung, ist erniedrigt.
Anders ist die Situation bei chronischen Entzündungen im Körper wie z.B. im Rahmen der systemischen Sklerodermie (CrP erhöht). Hier kann ein normaler oder sogar ein erhöter Ferritinspiegel Hinweis auf einen funktionellen Eisenmangel sein. Das heisst: Eisen ist genug vorhanden, bleibt aber im Eisenspeicher "eingesperrt". Es steht dem Körper nur ungenügend zur Verfügung. Die Transferrinsättigung im Blut ist aber auch in diesem Fall erniedrigt, da Eisen im Blut nur ungenügend transportiert wird. Wegen einer Stoffwechselblockade im Darm hilft in diesem Fall eine Substitution mit Eisentabletten nicht weiter, sondern das Eisen muss - unter Umgehung der Darmpassage - mittels Infusion verabreicht werden, um den funktionellen Eisenmangel im Körper zu beheben.
Zusamengefasst:
Klassischer Eisenmangel:
keine Entzündung im Körper (CrP normal)
Eisenspeicher im Körper leer (Ferritin niedrig)
Beladung der Transportproteine mit Eisen niedrig (Transferrinsättigung niedrig)
Therapie mit Eisentabletten oder Eiseninfusion
Funktioneller Eisenmangel z.B. bei systemischer Sklerodermie
Entzündung im Körper (CrP erhöht)
Eisenspeicher im Körper gefüllt (Ferritin normal oder erhöht)
Beladung der Transportproteine mit Eisen niedrig (Transferrinsättigung niedrig)
Therapie mit Eiseninfusion

Quelle: Michael van den Heuvel - Medscape News 5 Tipps: Trügerische Laborwerte – und was Ärzte stattdessen bestimmen sollten. Medscape21. Oktober2025.


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