Trügerische Laborwerte (2) Vitamin B12-Mangel ?!
- mbuslau
- vor 23 Stunden
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Aktualisiert: vor 3 Stunden

Warum Vitamin-B12 wichtig ist
Der Körper benötigt Vitamin B12 für den Energiestoffwechsel, zur Bildung von Blutzellen und zum Aufbau der Nervenhüllen. In größeren Mengen steckt es in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milcherzeugnissen. Es wird im Körper durch Magensäure und Verdauungsenzyme freigesetzt . Ein spezielles Protein ("Intrinsic Factor") transportiert Vitamin B12 zu den Dünndarmzellen. Von dort gelangt es ins Blut und zu den Nerven.
Ein Vitamin B12-Mangel kann verschiedene Symptome und Beschwerden auslösen:
Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungen
brennende Zunge
Kribbeln in Armen, Beinen und Füßen
Gangunsicherheit, erhöhte Sturzneigung
Muskelschwäche
Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
Gedächtnisstörungen
Kopfschmerzen
Depressionen
Verwirrtheit
Blutarmut
Ein Mangel an Vitamin B12 ist bei systemischer Sklerodermie sehr häufig.
Nach einer neueren Untersuchung konnte bei 71% (!) der Betroffenen mit systemischer Sklerodermie ein Vitamin B12-Mangel nachgewiesen werden.
Bei Sklerodermie kommen besonders 3 Ursachen für diesen Mangel infrage:
Die Einahme von Protonenpumpenhemmern, kurz PPI (sog. Säureblocker) wegen Säurereflux/Refluxösophagitis.
Eine bakterielle Fehlbediedlung des Dünndarms als Folge der entzündlichen und fibrotischen Veränderungen der Darmwand
eine Fehl- bzw. Mangelernährung
Doch wie kann man einen Vitamin B12 Mangel im Blut nachweisen?
Der am häufigsten bestimmte Wert ist das Gesamt-Vitamin-B12. Das Problem: Vitamin B12 reist im Blut nicht als freie Substanz, sondern ist an Transportproteine gebunden. Rund 80 Prozent dieses Vitamins sind an das Glykoprotein Haptocorrin gekoppelt. In dieser Form ist Vitamin B12 jedoch biologisch inaktiv.
Man kann sich das Haptocorrin wie einen verschlossenen Tresor vorstellen: Das Vitamin ist zwar im Blut vorhanden, aber der Körper besitzt keinen Schlüssel, um es für den Stoffwechsel zu nutzen. Ein normaler Gesamtwert suggeriert also eine Versorgung, die in den Zellen unter Umständen niemals ankommt. Die moderne Diagnostik hat dieses Defizit längst erkannt:
Um die wahre Versorgungslage zu beurteilen, ist nur ein Bruchteil des gesamten Vitamin B12 relevant: das an Transcobalamin II gebundene Vitamin, auch Holotranscobalamin (holoTC) genannt. Dieses „aktive B12“ ist die einzige Fraktion, die tatsächlich von den Zellen aufgenommen und verwertet werden kann. Die Messung von holoTC ist deshalb wesentlich sensitiver. Während der Gesamtwert noch über Wochen oder Monate eine vermeintliche Stabilität vortäuscht, sinkt der holoTC-Spiegel bereits rapide ab, wenn die Vorräte knapp werden und bereits neurologische Schäden oder Entwicklungsschäden drohen. Noch genauere Aussagen über eine Vitamin B12 Mangel erlaubt die Bestimmung der Methylmalonsäure (MMA) im Blut. Bestimmte Enzyme im Körper benötigen zwingend Vitamin B12, um reibungslos zu funktionieren. Mangelt es an Vitamin B12, versagen diese Enzyme ihren Dienst, und es kommt zu einem Rückstau von Stoffwechselprodukten wie der MMA. MMA ist ein exklusiver Indikator für den B12-Stoffwechsel.Oft wird alternativ das Homocystein gemessen, doch im direkten Vergleich ist die MMA der Goldstandard, da ein erhöhter Homocystein-Wert auch durch einen Mangel an Folsäure oder einen Mangel an Vitamin B6 verursacht werden kann.
Fazit: Zeit für ein diagnostisches Update
Wer Klarheit über seinen Vitamin B12 Zustand haben will, muss auf holoTC als Marker für das aktive Vitamin setzen und im Zweifel die Methylmalonsäure zur Absicherung der Zellfunktion heranziehen.

Quellen:
Michael van den Heuvel - Medscape News 5 Tipps: Trügerische Laborwerte – und was Ärzte stattdessen bestimmen sollten. Medscape21. Oktober2025.



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