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Schmerzen und Müdigkeit bei Sklerodermie - Therapie ohne Medikamente

Aktualisiert: 16. Jan.



Nicht-medikamentöse Therapie der systemischen Sklerodermie
Nicht-medikamentöse Therapie bei systemischer Sklerodermie


Schmerzen und Müdigkeit sind häufige und belastende Symptome bei systemischer Sklerodermie (Systemischer Sklerose -SSc), die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Nach beiden Symptomen wird im ärztlichen Gespräch oft nicht gefragt und den Ursachen auf den Grund gegangen.


Schmerz betrifft über 75% der Patientinnen und Patienten mit systemischer Sklerodermie.

Häufige Schmerzquellen sind Durchblutungsstörungen (Raynaud-Syndrom, Hautgeschwüre), Calcinosis cutis, muskuläre Schmerzen (Fibromyalgie), Gelenkschmerzen, Nervenschmerzen und gastrointestinale Ursachen, insbesondere im Rahmen der Refluxkrankheit, Überblähung, Darmkrämpfe). Darüber hinaus können Schmerzen auch durch Sklerodermie-Medikamente hervorgerufen oder verstärkt werden z.B. durch Mycophenolat-Mofetil (MMf) oder durch Nintedanib.


Müdigkeit ist häufig mit Atemnot, gastrointestinalen Beschwerden und psychischen Störungen verbunden. Hauptursachen sind

die Lungenbeteiligung (interstitielle Lungenerkrankung, pulmonale Hypertonie), endokrine Störungen wie Hypothyreose, Vitamin D-Mangel und die Beteiligung des Verdauungstrakts, die nicht selten zur Mangelernährung führt, die, insbesondere in Verbindung mit Schmerz-bedingter mangelnder körperlicher Aktivität, den Muskelschwund begünstigt. Der Muskelschwund wiederum verstärkt die Müdigkeit. Darüber hinaus sind psychologische Faktoren wie Depression und Angststörungen gehäuft mit Müdigkeit assoziiert.


Diagnostische Bewertung von Schmerz und Müdigkeit

Eine umfassende Bewertung von Schmerz und Müdigkeit erfordert einen umfassenden multidisziplinären Ansatz, der verschiedene Bewertungsmethoden umfasst. Neben ärztlichen Untersuchungen (klinische Untersuchungen, bildgebende Verfahren) sind standardisierte Fragebögen von entscheidender Bedeutung, mit denen Sklerodermie-Betroffene den Grad von Schmerz und Müdigkeit - vor und nach einer Behandlung - selbst einschätzen. Hierzu gehören auch Fragebögen zur Erfassung von Schlafstörungen. Wichtig sind auch ernährungsmedizinische Bewertungen, um eine Mangelernährung zu erkennen.


Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Eine effektive Therapie von Schmerz und Müdigkeit bei Sklerodermie erfordert einen multidisziplinären Ansatz mit einem Fokus auf nicht-medikamentöse Behandlungen. So betonen die EULAR-Richtlinien

die Bedeutung von körperlicher Aktivität und psychoedukativen Intervention. Bewegungstherapie, kognitive Verhaltenstherapie und Rehabilitation zeigen vielversprechende Vorteile:


  • Strukturierte Rehabilitation verbessert die körperliche Funktion und verringert Schmerzen.

  • Vitamin-D-Gabe sollte insbesondere bei Vitamin D-Mangel in Betracht gezogen werden, um Müdigkeit zu verringern

  • Prä-und Probiotika könnten durch Modulation des Mikrobioms bei gastrointestinalen Symptomen hilfreich sein. Anti-entzündliche Diäten, wie die mediterrane Diät, zeigen Verbesserungen bei Müdigkeit und Entzündungsmarkern in chronischen Erkrankungen. Vermeidung von pro-entzündlichen Lebensmitteln kann helfen, die krankheitsbedingte Entzündung zu mindern. Wichtig: Änderungen in der Ernährung sollten individuell bewertet und von einem interdisziplinären Team unterstützt werden.

  • Psychologische Therapien sind entscheidend für das Management von Schmerzen und Müdigkeit bei SSc, indem sie emotionale Belastungen und ungünstige Bewältigungsmechanismen angehen. Hierbei hat sich die Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) als vielversprechend erwiesen, um das Schmerzerleben zu reduzieren und das Müdigkeitsmanagement zu verbessern. Die Kognitive Verhaltenstherapie zielt darauf ab, negative Gedanken umzustrukturieren und günstige Bewältigungsstrategien zu fördern. Hierzu gehören: Achtsamkeitsbasierte Therapien, die positive Effekte auf den psychologischen Status und die Lebensqualität von SSc-Patienten haben

  • Schlafhygiene ist ein kritischer Aspekt, da Schlafstörungen häufig sind und zu Schmerzen und Müdigkeit beitragen.

  • Ergotherapie kann signifikant zur Schmerz-, Müdigkeits- und Behinderungsbewältigung bei SSc beitragen und die funktionelle Unabhängigkeit fördern. Ergotherapeutische Interventionen umfassen Gelenkschutzstrategien, Anpassungstechniken und strukturierte Handrehabilitationsprogramme. Diese Interventionen haben gezeigt, dass sie die Geschicklichkeit, Griffstärke und schmerzbasierten Behinderungen verbessern können. Ergotherapie kann auch zur Müdigkeitsbewältigung beitragen, indem sie Strategien zur Energieeinsparung und ergonomische Anpassungen fördert. Es gibt Hinweise darauf, dass Ergotherapie das Selbstwirksamkeitsgefühl und die Bewältigungsmechanismen bei rheumatoider Arthritis verbessert, was auch für SSc von Bedeutung sein könnte.

  • Komplementäre Therapien wie Yoga und Akupunktur bieten potenzielle Linderungen für SSc-Patienten, obwohl die Evidenz begrenzt ist. Yoga und Akupunktur konnten bei anderen Autoimmunerkrankungen signifikante Verbesserungen in Bezug auf Angst, Depression und Müdigkeit zeigen, jedoch sind die Daten für systemische Sklerodermie begrenzt. Akupunktur hat sich als hilfreich bei der Behandlung chronischer Symptome wie Schmerzen und Müdigkeit erwiesen. Eine Studie mit 17 SSc-Patienten zeigte, dass eine transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) die oberen gastrointestinalen Symptome signifikant reduzierte.


Forschungslücken und Prioritäten

Trotz des wachsenden Interesses besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf auf dem Gebiet von Schmerzen und Müdigkeit bei systemischer Sklerodermie, was die Notwendigkeit für gezielte Studien unterstreicht. So besteht ein Bedarf an besserem Verständnis der neuroimmunologischen und vaskulären Mechanismen, die zu Schmerzen und Müdigkeit führen . Es ist wichtig, interdisziplinäre Ansätze in der klinischen Praxis zu integrieren, um die Lebensqualität der SSc-Patienten zu verbessern.


Zusammenfassung:


Schmerzen bei systemischer Sklerodermie

DIAGNOSTIK

THERAPIE

Schmerz-Ursachen

muskuloskelettal (Arthritis, Gelenkkontraktur, Kalzinose, Acroosteolyse, Myositis)

neuropathisch (brennend, stechend, periphere Neuropatie, Nervenkompression, Trigeminus-Neuralgie)

Ischämisch (Raynaud Phänomen, Digitale Ulzeration, Gangrän, Calcinosis cutis)

Visceral (Bauchkrämpfe, Sodbrennen, bakterielle Fehlbesiedlung)

Nicht-medikamentös

Physiotherapie und Physikalische Therapie

Stretching und Physiotherapie der Gelenke, Paraffinbäder, Hydrotherapie, Manualtherapie, myofasciale Therapie, Lymphdrainagen

Ergotherapie

Gelenkschutz, Gelenkentlastung, Funktionstraining, Fokus auf Verbessserung der Handbeweglichkeit und der Mundöffnung

Psychologische Therapien

Kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeitstraining, Schmerzmanagement-Training

Komplementäre Therapieverfahren

Akupunktur, Yoga



Untersuchungen

Ultraschall der Gelenke und Sehnen

Magnetresonanzuntersuchung (MRI) der Muskulatur

Neurologische Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit, sensorische Testung

Screening auf Fibromyalgie

Ausschluss von Medikamenten als Schmerzursache (Mycophenolot mofetil, Nintedanib, Vasodilatanzien)




medikamentös

Verbesserung der Durchblutung, Wundtherapie, Anpassung der Immunsuppression, Therapie gastrointestinaler Symptome


Müdigkeit bei systemischer Sklerodermie

DIAGNOSTIK

THERAPIE

Ausschluss sekundärer Ursachen von Müdigkeit

  • Anämie

  • Schilddrüsenfunktionsstörung

  • Vitamin D-Mangel

  • Depressionen

  • Angststörungen

  • Schlafstörungen

  • Medikamente (Mycophenolat mofetil, Nintedanib, Methotrexat)

Behandlung/Korrektur von Mangelerscheinungen

  • Eisenmangel

  • Vitamin B12-Mangel

  • Folsäuremangel

  • Vitamin D-Mangel

  • Schilddrüsenhormon-Mangel


Behandlung/Korrektur von

  • Gastrointestinaler Symptome

  • Medikamentöser Nebenwirkungen




Untersuchungen

  • Gastrointestinale Untersuchungen (Verdauungstrakt)

  • Kardiopulmonale Untersuchungen (Herz und Lunge)

  • Rheumatologische Untersuchungen (Muskulatur und Gelenke)

  • Diätetische Untersuchungen (Ausschluss von Mangelernährung)

  • Blutuntersuchungen (Entzündungsstatus)

  • Leber- und Nierenuntersuchung






Physiotherapie, Ergotherapie und Sportmedizin

  • Aerobes Ausdauertraining

  • Krafttraining

  • Atemtraining

  • Hydrotherapie


Psychologische Therapien

  • Kognitive Verhaltenstherapie, Achtsamkeitstraining,

  • Verbesserung der Schlafhygiene


Komplementäre Therapien

  • Akupunktur

  • Yoga

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