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Kapillarmikroskopie bei Sklerodermie - was Ihre Fingernägel über die Erkrankung verraten

  • mbuslau
  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit
Kapillarmikroskopie bei systemischer Sklerose
Durchführung der Kapillarmikroskopie über die Haut im Bereich der Fingernägel bei systemischer Sklerodermie

Gefässschäden treten bei der systemischen Sklerodermie sehr früh auf (Stichwort: Raynaud-Phänomen) und spielen auch im weiteren Verlauf der Sklerodermie eine zentrale Rolle (Stichwort : Mangelversorgung der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen, Förderung von Entzündung und Fibrose). Die Früherkennung dieser Gefässchäden und ihren Folgen ist für die Therapie der Sklerodermie und für die Prävention von Organkomplikationen von grosser Bedeutung. Hierbei kann ein einfaches Untersuchungsverfahren - die Kapillarmikroskopie der Haut - entscheidend helfen:

Die Betrachtung der kleinsten Gefässe des Körpers durch die Haut mit einem speziellen Mikroskop (Kapillarmikroskopie) ist ein einfaches, nicht-invasives und sehr aufschlussreiches Verfahren zur Beurteilung der Kapillaren bei systemischer Sklerodermie (SSc). Diese schnell durchzuführende und für die Betroffenen harmlose Untersuchung im Bereich der Fingernägel liefert wichtige prognostische Hinweise auf Organbeteiligungen und auf den Krankheitsverlauf der systemischen Sklerodermie.


Beurteilt werden mit der Kapillarmikroskopie die Kapillardichte, die Weite der Kapillaren (Gefässdurchmesser), Veränderungen der Kapillarform und mögliche Einblutungen in den Nagelfalz. Anhand dieser Kriterien werden mit der Kapillarmikroskopie 3 verschiedene Stadien (Muster) von Kapillarschäden bei systemischer Sklerodermie unterschieden: ein Frühstadium, ein aktives Stadium und ein Spätstadium.


Was bedeuten diese verschiedenen Stadien für den Verlauf der Sklerodermie?

In einer aktuellen Übersichtarbeit, die insgesamt 14 wissenschaftliche Publikationen zu diesem Thema ausgewertet hat (systematisches Review), kommen die Autoren zu folgenden Erkenntnissen und Schlussfolgerungen:


Sklerodermie-Muster - Frühwarnzeichen für die Progression der Sklerodermie

"Aktive Stadien" und "Spätstadien" in der Kapillarmikroskopie sind ein starker Indikator für eine bevorstehende Progression der Organbeteiligung.

Patienten mit aktiven Stadien oder Spätstadien in der Kapillarmikroskopie zeigen häufiger eine Zunahme der Hautverhärtungen, der Fingergeschwüre (Digitale Ulzerationen) , Verschlechterungen der Lungenbeteiligung (Lungenfibrose, pulmonale Hypertonie) und gastrointestinalen Komplikationen.

Die Entwicklung eines Frühstadiums in der Kapillarmikroskopie hin zu einem aktiven Stadium oder zu einem Spätstadium signalisiert eine Verschärfung der Mikroangiopathie (Zunahme der Schädigung der kleinsten Blutgefässe) und sollte als Warnsignal für eine engmaschige Überwachung der Betroffenen dienen


Von allen Veränderungen in der Kapillarmikroskopie hat eine verminderte Kapillardichte die grösste Vorhersagekraft für Organbeteiligung und Progression der systemischen Sklerodermie. Die kritische Grenze liegt hierbei bei 7 Kapillaren pro mm.


  • Hautverhärtung (Hautfibrose): Niedrige Kapillardichte und das Muster "Spätstadium“-korrelieren mit schwerer und fortschreitender Hautbeteiligung (Hautsklerose)

  • Fingergeschwüre (Digitale Ulzera) & Kalkablagerungen der Haut (Kalzinose): Eine reduzierte Dichte der Kapillaren und eine Progression zum Muster "Spätstadium" sagen Komplikationen durch eine reduzierte Durchblutung voraus.

  • Lunge: Eine niedrige Kapillardichte und ein Muster "Spätstadium" sind mit pulmonaler Hypertonie und interstitieller Lungenerkrankung (Lungenfibrose) assoziiert.

  • Herz: Eine stark reduzierte Kapillardichte (≤3/mm) ist mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (z.B. Myokardinfarkt, Schlaganfall) verbunden.

  • Gastrointestinaltrakt: Ein fortschreitender Kapillarverlust korreliert mit zunehmender Störung der Beweglichkeit der Speiseröhre und mit gastrointestinaler Beteiligung.

  • Niere: Erste Hinweise deuten auf einen Zusammenhang zwischen niedriger Kapillardichte und subklinischer Nierenbeteiligung hin.


Bedeutung der Kapillarmikroskopie bei systemischer Sklerose
Bedeutung der Kapillarmikroskopie für die systemische Sklerodermie

Empfehlungen für die klinische Praxis

Jeder Patient mit systemischer Sklerose sollte zu Beginn der Diagnose eine Kapillarmikroskopie erhalten. Diese sollte insbesondere für Betroffene mit Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung alle 6 bis 12 Monate zur Verlaufsbeurteilung und Überwachung wiederholt werden.

Eine Kapillardichte <7/mm oder ein „Aktives Stadium" oder ein "Spätstadium" erfordern eine engmaschige Organüberwachung.

Bei Progression der Abnahme der Kapillardichte ist eine sofortige Abklärung auf neue Organbeteiligungen notwendig

Kapillarmikroskopische -Befunde sollten in die individuelle Risikobeurteilung und Therapieplanung einfließen, um irreversible Schäden zu vermeiden

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