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Schwangerschaft und Sklerodermie: langfristig wahrscheinlich keine negativen Auswirkungen

Bisherige Untersuchungen auf die Auswirkungen der Schwangerschaft bei systemischer Sklerodermie haben die Zeit der Schwangerschaft bis 1 Jahr nach der Entbindung untersucht und hierbei ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Bluthochdrucks bei der Mutter und ein erhöhtes Risiko für Frühgeburt und vermindertes Geburtsgewicht beim Kind festgestellt.


In einer anderen Übersichtsarbeit wurde festgestellt, dass während der Schwangerschaft und bis 6 Monate nach der Entbindung ein erhöhtes Risiko für die Verschlechterung / Zunahme von Beschwerden / Organbeteiligungen der Sklerodermie besteht, dabei eine Zunahme der Krankheitsaktivität der Sklerodermie bei 14,3% während der Schwangerschaft bzw. 30% der Frauen bis 6 Monate nach der Entbindung, für eine Verschlechterung des Raynaud- Phänomens und der Ausbildung von digitalen Ulzera (Fingergeschwüren) bei 16,6% während der Schwangerschaft und bei 20,2% bis 6 Monate nach der Entbindung, ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Symptome (Beschwerden des Verdauungstraktes) bei 15,3% während der Schwangerschaft und 11,7% bis 6 Monate nach der Geburt, ferner ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten entzündlicher Gelenkveränderungen bei 6,3% während der Schwangerschaft und bei 11,7% bis 6 Monate nach der Entbindung.


Von diesem erhöhten Risiko waren besonders Schwangere mit Scl70 Antikörpern (anti-Topoisomerase 1-Antikörpern) und Schwangere mit anti-RNA Polymerase III-Antikörpern im Blut betroffen, ferner Patientinnen mit einer diffusen systemischen Sklerodermie und Schwangere mit vorausgegangener erhöhter Einnahme von Kortison.


Nun wurden erstmals von einer kanadischen Arbeitsgruppe retrospektiv 45 Frauen mit systemischer Sklerodermie bis zu 10 Jahre nach der Geburt ihres ersten Kindes nachuntersucht und mit einer Vergleichsgruppe von 152 Frauen ohne Schwangerschaft und Geburt hinsichtlich einer Zunahme/Verschlechterung des Befalls innerer Organe verglichen. Die durchschnittliche Nachbeobachtungszeit war 3 Jahre.


Hierbei zeigte sich kein Neuauftreten bzw. keine Verschlechterung der Lunge oder der Niere. Auch hinsichtlich Raynaud-Phänomen und digitalen Ulzerationen war keine signifikante Verschlechterung zu verzeichnen. Einzig die Entwicklung bzw. die Verschlechterung entzündlicher Gelenkveränderungen (Arthritis) war in der Gruppe der schwangeren Patientinnen nach der Geburt signifikant erhöht.

Anmerkung (1): Die Untersuchung bedeutet ein positives Zeichen für die Entscheidung einer Schwangerschaft bei systemischer Sklerodermie. Dennoch sollten insbesondere Patientinnen mit anti-Scl70- bzw. mit RNA Polymerase III Antikörpern im Blut sowie Patientinnen mit einer diffusen systemischen Sklerodermie während der Schwangerschaft und auch danach regelmässig überwacht und betreut werden

Anmerkung (2): Diese Untersuchung liefert keine Daten zur Herzbeteiligung, zur Beteiligung des Verdauungstraktes und zur Hautbeteiligung bei Sklerodermie.

Anmerkung (3): In anderen Untersuchungen zur Schwangerschaft bei Sklerodermie wurde sogar über eine Verbesserung des Raynaud-Phänomens bzw. über ein Verschwinden des Raynaud-Phänomens während der Schwangerschaft berichtet. Nach der Geburt kehrte das Raynaud-Phänomen aber meist in alter Stärke wieder zurück.


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