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  • mbuslau

Problem Muskelbeschwerden bei Sklerodermie – eine genaue Abklärung ist notwendig

Muskelbeschwerden bei systemischer Sklerodermie sind häufig. Wenn in der Blutuntersuchung keine Erhöhung der Kreatinkinase (CK) gefunden wird, werden diese Muskelbeschwerden oft als nicht entzündliche „Myalgien“ und deshalb als weniger gravierend diagnostiziert. Nicht selten unterbleiben dann weitere Abklärungen und zielgerichtete medikamentöse Therapien. Dabei wird übersehen, dass auch ohne CK-Erhöhung im Blut eine Muskelentzündung vorliegen kann, die einer weiteren Abklärung bedarf.

In diesem Zusammenhang werden in einer neuen Übersichtsarbeit zahlreiche wissenschaftliche Publikationen zur Muskelbeteiligung bei systemischer Sklerodermie analysiert, und es wird auf ein Krankheitsbild, der „Skleromyositis“, aufmerksam gemacht, das Ähnlichkeiten zum Überlappungssyndrom mit Merkmalen der systemischen Sklerodermie und Autoimmunmyositis trägt, aber wahrscheinlich eine neue eigenständige Krankheit bildet, der Skleromyositis, mit Bedeutung für die Diagnose und Therapie dieser noch zu wenig bekannten Erkrankung.


Aktuell werden, je nach Publikation, Muskelbeschwerden bei 5 bis 96% der Patientinnen und Patienten mit systemischer Sklerodermie angegeben. Diese grosse Spannweite der Häufigkeit liegt daran, dass es bis heute keine einheitlichen diagnostischen Kriterien für die Muskelbeteiligung bei Sklerodermie gibt, je nachdem welche Kriterien man heranzieht: Muskelschwäche / Muskelschmerzen / Erhöhung der Muskelenzyme im Blut / pathologische Elektromyografie / pathologische MagnetResonanzTomografie (MRT) / pathologische Muskelbiopsie / Nachweis Myositis-spezifischer Antikörper im Blut.


Muskelschmerzen und Muskelschwäche

Nach aktueller Übereinkunft der europäischen und amerikanischen Fachgesellschafften für Rheumatologie gelten Muskelschmerzen (Myalgien) im Unterschied zur Muskelschwäche nicht als ausreichendes Kriterium für eine Muskelbeteiligung bei Sklerodermie. Subjektiv berichten 23% bis 60% der Sklerodermie-Betroffenen über Muskelschwäche, die, je nach Untersuchung, bei 13% bis 100% dieser Patientinnen und Patienten mit entsprechenden Messmethoden objektiv nachgewiesen werden kann. Von Muskelschwäche betroffen waren vor allem die Muskulatur der Oberarme und Oberschenkel. Bei Skleromyositis waren zumeist die Oberarme stärker als die Oberschenkel betroffen. Die Muskelschwäche kann auch durch Hautverhärtung, Gelenkentzündung und Gelenkversteifung (Kontrakturen) verschlimmert werden. Die Muskelschwäche war bei diffuser systemischer Sklerodermie (dSSc) ausgeprägter als bei limitierter systemischer Sklerodermie (lSSC).


Muskelenzyme

Eine Erhöhung der Kreatininkinase im Serum wurde in der Hälfte der Studien zur als Kriterium einer Muskelbeteiligung bei Sklerodermie herangezogen und wurde bei 8% bis 100% der Sklerodermie-Betroffenen mit Skleromyositis nachgewiesen. Häufiger als eine Erhöhung der CK im Serum konnte eine Erhöhung eines anderen Muskelenzyms, der Aldolase, nachgewiesen werden. Eine Erhöhung der Serum-Aldolase wurde bei 34% bis 100% der Betroffenen mit Skleromyositis nachgewiesen.


Elektromyografie (EMG)

Ein pathologisches Muster im EMG konnte bei 40% bis 100% der Betroffenen mit Skleromyositis nachgewiesen werden und fand sich besonders in der Muskulatur der Oberarme.


Magnetresonanztomografie (MRT)

Veränderungen im MRT der Muskulatur konnten bei 41% bis 89% der Sklerodermie-Patientinnen und -Patienten mit muskulo-skelettalen Symptomen (Muskelschwäche, Muskelschmerzen und/oder Sehnenbeschwerden) nachgewiesen werden. 38% bis 100% der Betroffenen mit Skleromyositis zeigten im MRT der Muskulatur pathologische Veränderungen.


Muskelbiopsie

Die häufigsten Veränderungen in der Muskelbiopsie von Betroffenen mit Skleromyositis waren: Muskelfasernekrosen, entzündliche Infiltrate im Bindegewebe sowie pathologische Gefässveränderungen im Muskel.

Diese Gefässveränderungen (erweiterte Kapillaren, Kapillarverlust, Aktivierung des Endothels) sind für die Diagnose Skleromyositis besonders kennzeichnend, ebenso eine verstärkte Bindegewebsablagerung im Muskel (fibrosierende Myopathie). Letztere konnte besonders bei den Patientinnen und Patienten nachgewiesen werden, die keine CK-Erhöhung im Blut aufwiesen.


Autoantikörper

Bei Skleromyositis wurden folgende Autoantikörper im Serum gehäuft nachgewiesen: anti-PM/Scl (31%), anti-Ku (38%-55%), anti-U1RNP (10%-46%), selten anti-U3RNP (6%) und ant-RuvBL1/2 (0,6%-1,2%)-Antikörper. Bei der Hälfte der Betroffenen mit Skleromyositis fand sich kein Sklerodermie-assoziierter Autoantikörper im Serum.


Therapie

Zur Zeit existieren keine allgemein anerkannten Behandlungsrichtlinien für Betroffene mit Skleromyositis. Unter Auswertung zahlreicher Studien zur Therapie der Skleromyositis profitierten 78% - 100% der Betroffenen von einer Kortisontherapie. Betroffene, die von einer Kortisontherapie profitierten, zeigten in der Muskelbiopsie in über 90% der Fälle Entzündungszeichen und Nekrosen. Fehlten diese Veränderungen in der Muskelbiopsie, sprachen nur ca. 1/3 der Betroffenen auf eine Kortisontherapie an. Insgesamt profitierten Betroffene mit den Autoantikörpern anti-PM/Scl, anti-Ku und anti-U1RNP mit lang anhaltenden Verbesserungen ihrer Myositis, während Betroffene mit anti-Scl70 und anti-U3-RNP Antikörpern im Serum weniger gut auf eine Kortisontherapie ansprachen.

Versuche, durch Gabe anderer immunmodulierender Medikamente (Mycophenolat mofetil, Methotrexat oder Imurek), die Muskelentzündung bei Skleromyositis zu reduzieren und Kortison einzusparen, waren nicht erfolgreich. Hingegen profitierten in einer grösseren Fallserie 34% der Betroffenen von einer Immunglobulin-Therapie. Positive Effekte zeigte auch die Gabe von Rituximab, einem Antikörper, der sich gegen B-Lymphozyten richtet.


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2件のコメント


ueickel
2023年7月22日

Noch etwas. Sollte jemand gute Erfahrungen mit einem Schmerzmittel bei dieser Scleromyositis haben, bitte ich um Antwort. Es würde mich auch interessieren, ob jemand med. Cannabis ausprobiert hat!! Vielen Dank.

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ueickel
2023年7月22日

Das ist ein wichtiger Artikel für mich. Vielen Dank!

Ich leide an starken Muskelschmerzen, vor allen Dingen in den Beinen und Armen. In Ruhestellung besonders schlimm. An einen guten Schlaf nicht zu denken! Schmerzmitteln helfen nur bedingt und für kurze Zeit!!

Tatsächlich wird meine Therapie gerade umgestellt von MMF und Ciclosporin auf MMF und Rituximab.

Ich bin sehr gespannt und werde berichten.


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